Auf dem Sofa Achterbahn fahren? Der Schriftsteller Jan Brandt hat’s für uns ausprobiert.

Auf dem Sofa Achterbahn fahren? Der Schriftsteller Jan Brandt hat’s für uns ausprobiert.

Für den Europa-Park, Deutschlands größten Freizeitpark, haben wir in Zusammenarbeit mit MackMedia eine Virtual-Reality-App entwickelt, mit der Achterbahn-Fans in neue Dimensionen eintauchen können – und das schon bequem von zuhause aus. Jan Brandt – Autor von „Gegen die Welt” – hat es ausprobiert und sich so manchen Kindheitstraum erfüllt.

Ein Erlebnisbericht von Jan Brandt, Februar 2018

Reisen und gleichzeitig zu Hause bleiben – das ist ein Menschheitstraum, der schon lange in Büchern, Filmen oder Computerspielen durchgespielt wird, der Traum, woanders zu sein, ohne sich vom Fleck bewegen zu müssen. Abenteuer erleben, Reisen ohne Risiko, in fremde Welten eintauchen und den Alltag für eine Weile hinter sich lassen. Wenn ich darüber nachdenke, fällt mir immer die Folge der Fernsehserie Star Trek: Voyager ein, in der die Holodeck-Technologie als die Vollendung der Virtualität gepriesen wird, als Möglichkeit, nicht nur bewusstseinsmäßig Fiktionen zu erleben, sondern auch körperlich, als interaktiver Teil einer künstlichen Wirklichkeit.

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Bei uns zu Besuch: der Schriftsteller Jan Brandt.

Die Sehnsucht nach der perfekten Illusion

Solange noch keine Holodecks existieren, simulieren 360°-Leinwände, 3D- oder VR-Brillen diese Erfahrung. Ich erinnere mich, wie ich in den Universal Studios in Los Angeles mit 3D-Brille auf dem Kopf in einer Bahn in eine künstliche Höhle gefahren bin, mitten hinein in eine Szene aus dem Film King Kong, Skull Island.

Um uns herum war es dunkel, nur die Bildschirme flimmerten, und von irgendwoher hoben Trommeln an. Mit einem Mal waren wir mitten im Urwald. Dinosaurier wurden auf uns aufmerksam, attackierten uns, einer sprang in unsere Richtung, die Bahn begann, bedenklich zu wanken, aber King Kong bewahrte uns vor dem Schlimmsten.

Die ganze Zeit über spürte ich nichts, weil ich, sobald ich mich umschaute, merkte, dass ich immer noch in der Bahn sitze, dass ein Stück Wirklichkeit in dieses Set hineinragte. Da sehnte ich mich nach einer VR-Brille, die diesen Effekt neutralisieren und meine Wahrnehmung vollkommen beeinflussen würde, die perfekte Illusion.

Ich wünsche mir oft, Sachen virtuell auszuprobieren, die ich immer schon mal machen wollte.

Jan Brandt

Schriftsteller

Dabei müssen es nicht einmal fremde Welten sein, um diesen Effekt zu erzeugen. Es reicht schon, überhaupt Distanzen zu überwinden, zu sehen, was gerade an einem anderen Ort dieser Welt geschieht oder wie es wäre, jetzt dort zu sein.

Ich wünsche mir oft, Sachen virtuell auszuprobieren, die ich immer schon mal machen wollte, mich aber im wahren Leben nie getraut habe: Fallschirmspringen, Bungeejumping, Rafting. Und mindestens ebenso oft, wenn nicht öfter, wünsche ich mir, mir einen Eindruck von den Gegebenheiten verschaffen zu können, bevor ich zu einer Reise oder einem Ausflug aufbreche.

Mit der App in virtuelle Welten

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Zuhause Achterbahn fahren: Die Coastiality-App macht's möglich.

Der Europa-Park bietet jetzt genau diese Möglichkeit. Per App kann ich mir Achterbahnfahrten von zu Hause aus anschauen – vorerleben gewissermaßen: mit 360°-Videoaufnahmen oder als Fahrt durch phantasievolle animierte Umgebungen.

Mit der Achterbahn in die Zukunft.

Wie der Europa-Park mit der Coastiality-App Besucher lockt, erfahren Sie hier:

Zum Projekt

Um diesen Nervenkitzel zu spüren, lade ich mir die App herunter und stecke mein Smartphone in eine VR-Brille. Gleich zu Beginn werde ich darauf hingewiesen, dass die App zwar Schwindelgefühle auslösen könne, diese aber in keinem Verhältnis zu einem realen Erlebnis auf der Achterbahn stehen.

Wenn ich an meine tatsächlichen Achterbahnerlebnisse denke, fällt mir ein, dass ich jedes Mal Schwindelgefühle hatte, was wohl auch an der Höhe lag, an den Loopings und daran, dass ich, um meinen Mut vor Mitschülern zu demonstrieren, stets in der ersten Reihe saß.

Immer die besten Plätze

Die App fragt: Welcher Achterbahntyp bist du? Und ich denke: Extrem.

Jan Brandt

Schriftsteller

Bei der Coastiality-App sitze ich in allen Coastern in der ersten Reihe, ganz gleich, welche Kategorien ich auswähle. „Welcher Achterbahntyp bist du?“, werde ich gefragt, und kann zwischen „harmlos“, „aufregend“ und „extrem“ wählen. Als „harmlos“ wird der animierte Alpenexpress mit Ed & Edda, den Euromäusen, angepriesen. Es ist ein wilder Ritt mit einer Bergwerkslore durch eine von blauen Eiszapfen illuminierte Höhle. Auf einer sehr wackelig anmutenden Strecke gleite ich dahin, bis mich ein purpurner Drache auf seinen Rücken nimmt und über alle Unwägbarkeiten hinwegträgt.

„Aufregend“ sind die Sky Explorers, fiktive Flugpioniere, die, auf der Suche nach einem legendären Flugzeug, dem Volatus II, die Welt durchstreifen – und zwar auf selbst gebauten, fragil wirkenden, aber äußerst wendigen Gleitern. Als das Tor der Flugfabrik aufgeht, bin ich auch einer dieser Flieger, schwebe über einer fantastischen Landschaft oder unter Eisenbahnbrücken hindurch, sehe, wie sich die anderen Sky Explorers um ihre eigenen Achsen drehen oder große Vögel mit ihren gewaltigen Schwingen unseren Flug begleiten.

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Begeisterter Nutzer: Jan Brandt testet die Coastiality-App.

Paddington, der gemütliche Bär, kommt in der Alpenexpress-Version mächtig ins Schwitzen, muss er doch auf Londons Straßen hinter meinem Wagen herlaufen und Koffer aufsammeln, die aufgrund der Geschwindigkeit von der Gepäcklage rutschen. Je nachdem, wohin ich schaue, rennt Paddington; für jeden Koffer erhält er Punkte, und nach der zwölften Runde denke ich, dass man mich am Anfang nicht vor Schwindelgefühlen, sondern vor Spielsucht hätte warnen müssen.

Als „extrem“ gilt die Schellen-Ursli-Welt, benannt nach einer Figur aus einem Schweizer Kinderbuch: Auf großen Glocken, die wir uns wie Schlitten zwischen die Beine klemmen, rutschen wir auf einem schmalen Bergkamm durch eine Schneelandschaft, vorbei an massiven Felsen, an denen wir bei der kleinsten Unachtsamkeit zu zerschellen drohen.

Viel mehr als die Wirklichkeit

Jan Brandt.
Schriftsteller und Journalist.

Jan Brandt, geboren 1974 in Leer (Ostfriesland), studierte Geschichte und Literaturwissenschaften in Köln, London und Berlin und besuchte die Deutsche Journalistenschule in München. Sein Roman „Gegen die Welt“ (DuMont 2011) stand auf der Shortlist des Deutschen Buchpreises und wurde mit dem Nicolas-Born-Debütpreis ausgezeichnet. Bei DuMont erschienen außerdem „Tod in Turin" (2015) und „Stadt ohne Engel“ (2016).

Das Tolle ist, dass alle diese von MackMedia kreierten Welten – die von Ed & Edda, den Sky Explorers, von Paddington und Schellen-Ursli – auf ein und derselben Achterbahn basieren: auf dem Alpenexpress im Europa-Park nämlich, von dem ich mir in der App auch ein Bild machen kann, denn dort gibt es auch das Video einer echten Alpenexpressfahrt.

Als ich im dritten Wagen über die Schienen rolle, an Holzhäusern und Bäumen vorbei, durch Höhlen und Wälder, kann ich gar nicht glauben, dass die virtuellen Rides dem gleichen Weg gefolgt sind, die gleichen Kurven und Steigungen genommen haben, gibt es doch in diesen Traumwelten so viel mehr zu sehen als in Wirklichkeit.

Und als ich die VR-Brille absetze und nach einigem Augenreiben begreife, dass ich wieder im Wohnzimmer sitze, wird mir klar, welche Chance in dieser Technologie steckt: Den Alpenexpress gibt es seit 1984. Ich selbst bin als Kind damit gefahren, und jetzt, wo es aufregendere und größere Achterbahnen gibt, wo ich also längst Höheres gewohnt bin und nach Höherem strebe, habe ich mithilfe der App und der VR-Brillen vor Ort die Möglichkeit, das Alte als etwas ganz Neues wahrzunehmen. Durch das Virtuelle wird die bereits in mir gespeicherte Erfahrung erweitert, multipliziert, weil über das eine analoge Format unendlich viele digitale Formate gelegt werden können. Auf diese Weise wird die Fahrt mit dem Alpenexpress jedes Mal zu einem anderen Erlebnis.

Angesichts dieser Erkenntnis überkommt mich die Lust, nach Rust zu reisen, mir im Europa-Park eine VR-Brille auszuleihen und in jede Welt voll und ganz einzutauchen: den Fahrtwind zu spüren, die Spannung und den Nervenkitzel, wenn es erst in die Höhe und dann in die Tiefe geht – und die Erleichterung, wieder wohlbehalten am Ausgangspunkt anzukommen.

Text: Jan Brandt

Henry Bauer
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